Die Einstellung zum eigenen Körper schwankt bei vielen SchweizerInnen, die etwas rundlicher sind, zwischen Selbstkritik und dem stetigen Bemühen, schlanker zu werden. Zwar ist der Begriff Body Positivity in aller Munde, doch ihn in das eigene Denken zu integrieren, fällt vielen Menschen unheimlich schwer.

Das Bild von einem idealen Körper, das in den Medien über Jahre und Jahrzehnte präsentiert wurde, hat unser Denken und Selbstbild nachhaltig geprägt. „Dicke“ galten unausgesprochen als faul, unsportlich und undiszipliniert. Jedes Kilo zuviel schade der Gesundheit und verkürze das Leben, hiess es. Als Massstab für ein „normales“ Gewicht galt lange die Rechnung "Körpergrösse in cm minus 100". Für das Idealgewicht sollten noch einmal rund 10 Prozent abgezogen werden. Diese Formel wurde einfach über alle Personen gestülpt, ohne dabei zu bedenken, wie verschieden schon die genetischen Ausgangssituationen sind.
Das Idealgewicht ist eine fragwürdige Grösse
Verwendet man einen der angebotenen Online-Rechner für das Idealgewicht, wird schnell deutlich, dass sich diese Zahlen nicht auf die Allgemeinheit übertragen lassen. Ein erwachsener Mann mit 190 cm Körpergrösse und einem Gewicht von 75 kg wird uns in vielen Fällen nicht „ideal“ vorkommen. Als Jugendlicher würde er wahrscheinlich drahtig wirken, ein Erwachsener mit diesem Gewicht würde sehr dünn aussehen und ein alter Mann wäre im Abbau begriffen. Das perfekte Gewicht ist eben eng an das Alter gekoppelt – der Körper verändert sich im Laufe der Zeit.
Der Körper im Lauf des Lebens
Diese Veränderungen hängen unter anderem mit dem Stoffwechsel zusammen. Während viele Jugendliche essen können, „was sie wollen“, schlagen sich in einem späteren Alter Essenssünden direkt auf den Hüften nieder. Auch Schwangerschaften hinterlassen ihre Spuren und die Lebensweise hat ebenfalls einen grossen Einfluss. Wie also nun mit all dem umgehen?
Body Positivity ist überfällig
Es ist wirklich Zeit für Body Positivity! Vor allem jetzt in Zeiten, in denen es ganz normal geworden ist, sich selbst überkritisch zu betrachten und seinen Körper abzulehnen, vielleicht sogar zu hassen und optimieren zu wollen.
Selbst ein Mensch, den alle anderen als schön sehen, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit etwas an seinem Körper zu bemängeln. Sogar Teenager und teilweise sogar Kinder machen Diäten, weil sie es bei anderen gesehen haben oder vielleicht sogar gemobbt werden. Body Positivity ist überfällig. Doch wie bekommt man sie?
Dass ein paar Pfund mehr auf den Hüften der Gesundheit sogar förderlich sind, hat sich mittlerweile unter Wissenschaftlern herumgesprochen. Es gibt eine fliessende Grenze zwischen "etwas rundlich" und tatsächlich gesundheitsgefährdend dick. Body Positivity kann nicht bedeuten, den Körper hauptsächlich mit ungesundem Essen zu versorgen, weil es eben so gut schmeckt. Hier ist die Lebensmittelindustrie nicht unser Freund.
Der Körper muss als das betrachtet werden, was er ist: ein Hochleistungsgebilde, das täglich eine Vielzahl verschiedenster Vorgänge absolvieren muss, für die es den passenden Treibstoff (Essen) braucht. Zusätzlich ist der Körper ein kleines, statisches Wunder, der allein beim dauernden Halten unseres Kopfes grosse Leistungen vollbringt. Muskeln sind elementar wichtig, um unsere Knochen zu stützen. Daraus folgt, dass eine gesunde Ernährung und moderater Sport Wertschätzung und Liebe für den eigenen Körper ausdrücken.
Body Positivity – so kann man sie erreichen
Natürlich, wer abnehmen oder sein Essverhalten ändern will, der soll es tun. Um sich aber in der eigenen Haut wohlfühlen zu können, ist vor allem eine Änderung der Gewohnheiten und des Denkens nötig. Hier sind ein paar erprobte Tipps:
- Wer runde Formen hat, der sollte seine Kleidung unbedingt bei einem Anbieter kaufen, der auf Plus Size spezialisiert ist. Nur dann sitzen die Teile richtig und betonen die Körperformen positiv.
- Wer sich bewusst macht, dass die "idealen" Körper, die heute überall in den Medien zu sehen sind, in vielen Fällen ohnehinper Fotoshop übermässig bearbeitet sind, dem fällt es leichter, sich selbst realistischer zu betrachten.
- Wer zugenommen hat, der sollte dringend seinen Kleiderschrank ausmisten. Jeden Morgen auf Kleidung zu schauen, die nicht mehr passt, ist unheimlich frustrierend. Wer die Hoffnung noch nicht aufgeben will, irgendwann wieder hineinzupassen, kann die Kleidung ja erst einmal zwischenlagern. Später kann sie immer noch gespendet oder verkauft werden. Und wer tatsächlich abnimmt, hat bestimmt Freude daran, sich neue Kleidung zu kaufen.
- Man sollte immer seine Schokoladenseiten betonen. Jeder hat etwas, das an ihm schön ist. Besonders Frauen haben hier viele Möglichkeiten! Ein schönes Dekolleté, eine schmale Taille, lange Beine – wer den Blick auf die Seiten an sich lenkt, die er schön findet, kann die kleinen Makel kaschieren und so sein Selbstbewusstsein stärken.
- Als Menschen bestehen wir doch aus weitaus mehr als aus einem Körper. Wenn wir uns auf unsere weiteren Stärken konzentrieren, können wir wahres Selbstbewusstsein erlangen – das bedeutet, sich über sich selbst, seine Stärken und auch Schwächen bewusst zu werden.