In den aktuell unruhigen Zeiten sehnen wir uns nach Orten, in denen die Welt noch in Ordnung ist. Wir haben deshalb für dich nach zehn Naturparadiesen in Europa gesucht, die noch weitgehend unberührt sind und zum einzigartigen und unvergesslichen Ferienabenteuer laden. Von stillen Fjorden bis zu smaragdgrünen Seen, von dramatischen Küstenlinien bis zu surrealen Bergwelten: Komm mit uns auf eine (virtuelle) Reise an Orte, in denen die Natur immer noch in ursprünglicher und magischer Schönheit erstrahlt.

Vatnajökull Nationalpark, Island

Urgewaltig und schlicht atemberaubend schön: Der isländische Vatnajökull-Nationalpark, in dem Gletscher, schwarze Sandstrände, saftige Blumenwiesen und Vulkane aufeinander treffen, gilt zu Recht als einer der faszinierendsten Orte auf dieser Erde. Mit über 14’000 km² ist er der grösste Nationalpark Europas und ein geologisches Gesamtkunstwerk. Unter dem Gletscher brodelt Vulkangestein, sodass sich immer wieder riesige und kristallklare Eisbrocken lösen, die sich in die einzigartige Jökulsárlón-Lagune und später ins offene Meer treiben lassen. Wenige Schritte entfernt glänzt der Diamond Beach, ein Streifen schwarzer Lava, über den zerborstene Eisbrocken wie funkelnde Juwelen verstreut sind. Wandert man ins Skaftafell-Gebiet, wandelt sich die Landschaft und es sind grüne Weiten mit rauschenden Wasserfällen zu entdecken. Schöner geht’s nicht! Als BesucherIn nimmst du hier nicht nur wunderschöne Eindrücke mit nach Hause, sondern auch eine neue Ehrfurcht vor der Kraft und Schönheit unseres Planeten.

Der Vatnajökull-Nationalpark ist von der Hauptstadt Reykjavík aus über die malerische Ringstrasse mit dem Mietwagen in rund fünf Stunden gut erreichbar. Die beste Reisezeit hängt von deinem Naturell ab: Der Sommer (Juni–September) bietet wunderbare Wanderpfade, endloses Licht und sanfte Weiten; der Winter (November–März) gehört den Eishöhlen, Nordlichtern und der Stille.

Bilder: Getty Images

Plitvicer Seen, Kroatien

In einem versteckten Tal Kroatiens liegt das Naturwunder der Plitvicer Seen – 16 türkisgrüne Seen, verbunden durch ein filigranes Netz aus Wasserfällen, Kaskaden und moosbedeckten Stegen. Ob im blühenden Frühling oder goldenen Herbst, wenn sich der Wald in den Gewässern wie ein Ölgemälde spiegelt, oder im Winter, wenn Eis die Wasserfälle in skulpturale Träume verwandelt: Plitvice bleibt immer ein fast surreales Naturparadies – nicht spektakulär im klassischen Sinn, sondern in seiner Harmonie einfach überirdisch schön.

Am besten beginnst du deinen Parkbesuch gleich bei Öffnung um 7 Uhr morgens beim Eingang 2. So kannst du die magische Stille der Seen und Wasserfälle in vollen Zügen geniessen, bevor die Hauptbesucherströme eintreffen.​ Für eine intensive Erkundung der oberen Seen empfiehlt sich Route E. Auf ca. sechs Kilometern erlebst du beeindruckende Wasserfälle und idyllische Seenlandschaften abseits der Hauptwege.

Anfahrtipp: Von den Städten Zagreb, Zadar oder Split aus gibt es direkte Busverbindungen zum Nationalpark.

Isle of Skye, Schottland

Wer die Isle of Skye betritt, fühlt sich wie in einem Märchenfilm. Nebel streicht über moosbedeckte Hügel, Wasserfälle stürzen über Klippen und die dramatische Silhouette des Old Man of Storr ragt wie ein vergessener Monolith aus der Erde. In den zerklüfteten Höhen des Quiraing bewegt sich die Landschaft wie in Zeitlupe – eine Welt aus aufgerissener Erde, Licht und Schatten. Und wer zu den Fairy Pools wandert, trifft auf smaragdgrünes Wasser in natürlichen Wasserbecken. Leuchtturm-Romantik an einer dramatischen Steilküste erwartet dich am Neist Point. Sehenswert ist auch das Dunvegan Castle mit historischen Gärten und Blick auf Seehunde.

Die Isle of Skye liegt vor der Westküste Schottlands und ist seit 1995 über eine elegante Brücke mit dem Festland verbunden. Von Edinburgh oder Glasgow aus erreichst du das Erdenparadies in einer fünf- bis sechsstündigen Autofahrt durch die majestätischen Highlands – vorbei an Glencoe, Loch Ness und stillen Mooren. Mit dem Zug geht’s von Glasgow nach Mallaig und anschliessend mit der Fähre nach Armadale (im Süden von Skye). Tipp: Um abgelegene Buchten, Wanderwege und Aussichtspunkte flexibel zu erreichen, empfiehlt sich ein Mietauto.

Provence, Frankreich

Die Provence zählt ebenfalls zu den Naturparadiesen, in denen die Zeit still zu stehen scheint. Das Zusammenspiel von Düften, Farben und Licht ist in dieser Gegend von Frankreich schlicht atemberaubend. Lavendelfelder tauchen die Hochebenen in ein tiefes Violett und die Zikaden sorgen für die vertraute Akustik. In der Camargue springen Pferde durch flaches Wasser, begleitet von rosa Flamingos und dem salzigen Duft des Südens. In der lieblichen Hügellandschaft von Luberon leuchtet die Erde ockerrot, während in Les Baux-de-Provence mittelalterliche Mauern über silbrigen Olivenhainen thronen. Einen wilden Kontrast zum sanften Hügelland bildet schliesslich der Gorges du Verdon, Europas spektakulärer Grand Canyon.

Am bequemsten erreichst du die Provence mit dem TGV bis Avignon oder Aix-en-Provence. Von dort geht es bevorzugt weiter mit dem Mietwagen, da die schönsten Entdeckungen oft abseits der Hauptstrassen liegen. Wer mit dem Auto in die Provence fährt, kann bereits die Anreise durch das Rhônetal geniessen – vorbei an Weinbergen, Zypressen und dem ersten Hauch von Lavendel.

Picos de Europa, Spanien

Spaniens wildes Naturjuwel, das in den Provinzen von Asturien, Kantabrien und León liegt, ist ein perfektes Beispiel für ein atlantisches Ökosystem. Abseits der sonnenverwöhnten Küsten Spaniens erhebt sich mit Picos de Europa ein Gebirge, das mit senkrechten Kalksteinwänden, grünen Almen und tiefen Schluchten eher nordisch als mediterran wirkt.

Zu den Highlights zählen die Ruta del Cares, ein spektakulärer Felsweg über dem Abgrund, die Lagos de Covadonga, zwei stille Gletscherseen auf fast 1’100 Metern Höhe, sowie das winzige Bergdorf Bulnes, das nur per Seilbahn oder zu Fuss erreichbar ist. Über allem thront schliesslich der schroffe Gipfel des Naranjo de Bulnes, der besonders bei Sonnenaufgang unglaublich spektakulär wirkt.

Am besten erreichst du Picos de Europa von Oviedo oder Santander aus (beide Orte mit Flughafen und Mietwagenverleih). Von dort führen schmale Bergstrassen in die Täler von Cangas de Onís, Potes oder Arenas de Cabrales, die allesamt perfekte Ausgangspunkte für Wanderungen, Käseverkostungen und fazinierende Sternennächte sind.

Cala Goloritzé, Sardinien

Du wünschst dir ein Naturparadies am Meer, das zum Relaxen, Sonnenbaden und Schnorcheln lädt? Willkommen an der Cala Goloritzé – ein Juwel im wilden Osten Sardiniens aus weissem Kies, glasklarem Wasser und einem steinernen Obelisken, der wie eine geologische Kathedrale in den Himmel ragt. Die Farben hier sind schlicht zauberhaft: Das Meer wechselt zwischen Opalgrün bzw. Tiefblau und der Sand leuchtet wie polierter Marmor. Über allem liegt zudem eine wunderbare Stille. Kein Motorengeräusch, kein Lärm – nur das Rauschen der Brandung und das Flüstern des Windes. Tipp: Das kristallklare Wasser, das durch seine Reinheit fast schwerelos wirkt, eignet sich perfekt zum Schnorcheln.

Die ruhige Oase am Meer ist nur zu Fuss mit gutem Schuhwerk erreichbar (deshalb ist dieses Naturparadies auch nicht von Touristen überlaufen). Der 7 km lange Wanderweg (hin und retour) startet ab Su Porteddu und führt dich durch eine wilde Landschaft voller Myrte und Wacholder. Der Blick vom Wanderpfad aus kurz vor dem Abstieg zur Bucht ist übrigens traumhaft.

Dolomiten, Italien

Zwischen Südtirol und Venetien erhebt sich eine alpine Kulisse von fast übernatürlicher Anmut: gezackte Zinnen, senkrechte Flanken, weite Almwiesen und ein Licht, das sich in den Felsen verfängt wie in Kristall. Zu den faszinierendsten Naturschauspielen zählt definitiv die tägliche Enrosadira («Rosarotwerden») der Drei Zinnen oder der Sellagruppe bei Sonnenaufgang.

Zu den Ausflugs-Klassikern in den Dolomiten zählt sicherlich die Wanderung rund um die Drei Zinnen. Auch der Besuch des Lago di Braies – der  meistfotografierte See der Dolomiten – lohnt sich. Mach dich am besten am frühen Morgen auf den Weg, wenn der Bergsee noch spiegelglatt ist. Tradition, Design, mediterranes Flair und beste Kulinarik erwarten dich schliesslich in Alta Badia.

Für die Anreise empfiehlt sich eine Zugfahrt nach Bozen oder Brixen und anschliessend eine kurze Bus- bzw. Zugreise via Bruneck ins Herz der Dolomiten.

Azoren São Miguel, Portugal

Weit draussen im Atlantik erhebt sich eine Insel wie aus einer vergessenen Saga: São Miguel, die grüne Königin der Azoren. Hier dampfen vulkanische Quellen im Morgenlicht, wachsen Farnwälder wie in tropischen Märchen und Kraterseen leuchten in wunderschönem Blau. Das Herz der Insel schlägt zwischen den spiegelnden Zwillingsseen von Sete Cidades, dem mystischen Lagoa do Fogo hoch oben in den Bergen und dem tiefgrünen Paradies von Furnas, wo heisse Quellen, japanisch anmutende Gärten und kochende Erde eine fast spirituelle Landschaft formen.

Auf São Miguel erwartet dich viel Ruhe und gleichzeitig viel Abwechslung. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Bad in den terrakottafarbenen Thermalquellen von Poça da Dona Beija, einer Wanderung entlang der steilen Küstenpfade bei Nordeste und einem Espresso in einem Café in Ponta Delgada mit Blick auf die Weite des Atlantiks?

Mit der Schweizer Fluggesellschaft Edelweiss erreichst du von  Zürich aus Ponta Delgada in ca. 4,5 Stunden. Von dort aus erkundest du die Insel am besten mit einem Mietauto.

Cinque Terre Nationalpark, Italien

Der Cinque Terre Nationalpark an der ligurischen Riviera ist kein klassisches Naturparadies – sondern eine meisterhafte Komposition aus Meer, Steilklippen, Weinbergterrassen und einer bunten Architektur, die sich an Felsen klammert. Die fünf Dörfer – Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore – schmiegen sich wie Farbtupfer ans Tyrrhenische Meer. Dazwischen wandert man auf uralten Pfaden entlang von Trockenmauern, durch Zitronenhaine und über Terrassen, auf denen Reben in der Sonne glänzen. Der berühmte «Blaue Weg» (Sentiero Azzurro) verbindet die Orte für WanderInnen auf spektakuläre Weise. Und wer in Vernazza zum Sonnenuntergang auf den Felsen sitzt, mit Blick auf Boote, die übers Meer gleiten, spürt: Hier ist Italien nicht nur schön, sondern vollkommen. Noch verstärkt wird dieses Gefühl in der Nebensaison, wenn sich nicht so viele Touristen im Cinque Terre Nationalpark tummeln wie in den Sommermonaten.

Bei der Anfahrt in diese Idylle solltest du auf das Auto verzichten. Nimm stattdessen einer der regionalen Züge, die ab La Spezia in wenigen Minuten zu allen fünf Dörfern fahren.

Lofoten

Am Rande des Nordatlantiks, jenseits des Polarkreises, erhebt sich ein traumhaftschönes Archipel: die Lofoten. Zerklüftete Berge stürzen direkt ins Meer, dazwischen leuchten Strände in Karibikfarben. Im Winter tanzen Polarlichter über vereiste Küsten und im Sommer verwandelt die Mitternachtssonne das Meer in flüssiges Gold. Über den alten Fischerdörfern liegt zudem eine Ruhe, die sich nicht erklären lässt, sondern nur fühlen.

Das Fischerdorf Reine mit roten Rorbuer-Hütten vor einer dramatischen Bergkulisse ist das fotogenste der Lofoten. Ebenfalls sehenswert: Nusfjord, ein altes Fischerdorf, das UNESCO-geschützt ist. Lust auf nordisches Karibik-Feeling? Weisse Sandstrände und türkisblaues Wasser erwarten dich in Haukland. Nur einen Hügel entfernt liegt Uttakleiv, das als einer der besten Orte für Polarlichter gilt.

Wie du dieses Erdenparadies am einfachsten und schnellsten erreichst? Die Fluggesellschaft Edelweiss Air bietet saisonale Direktflüge von Zürich nach Evenes an, dem nächstgelegenen grösseren Flughafen zu den Lofoten. Die Flugzeit beträgt etwa 3 Stunden und 40 Minuten. Flugverbindungen sind in den Monaten März, Juni bis August sowie Dezember bis März verfügbar. Von Evenes aus kannst du die Lofoten mit dem Mietwagen oder Bus erreichen.

Verzascatal, Schweiz

Selbstverständlich gibt es auch in der Schweiz wunderschöne Naturparadiese – sogar sehr zahlreich. Wir präsentieren nachfolgend zwei Beispiele. Fürs erste Highlight geht’s ins Verzascatal im Tessin – eine alpine Miniaturwelt aus Granit, Licht und Wasser, durch die der gleichnamige Fluss in schimmerndem Smaragdgrün und mit Steinen wie Kunstwerke fliesst. Zu den meistfotografierten Sujets zählt die Ponte dei Salti in Lavertezzo, eine elegante Bogenbrücke aus dem 17. Jahrhundert. Darunter glitzern Felspools, in denen man im Sommer baden und entspannen kann.

Doch das Tal bietet weit mehr als nur Postkartenidylle: Wanderrouten führen durch Kastanienwälder, vorbei an alten Rustici, Wasserfällen und stillen Weilern wie Corippo, dem kleinsten Dorf der Schweiz. Und wer bis ans Talende nach Sonogno fährt, findet eine liebliche Oase mit Kopfsteinpflaster, Kräutergärten und einem Wasserfall.

Von Locarno aus ist das Verzascatal in etwa 30 Minuten mit dem Auto erreichbar. Oder noch besser per Postauto (Nr. 321), das sich serpentinenreich entlang des Flusses schlängelt. Unser Tipp: Früh starten oder in der Nebensaison ins Verzascatal reisen, denn an Sommertagen zieht die Magie dieses Paradieses sehr viele BesucherInnen an.

Alpstein, Schweiz

Er ist nicht der höchste, nicht der berühmteste und doch einer der charaktervollsten Gebirgszüge der Alpen: der Alpstein. Im Schatten des höchsten Berges, dem Säntis, entfaltet sich eine Landschaft wie aus einem kunstvollen Relief geschnitzt – dramatisch aufragende Felswände, smaragdgrüne Alpwiesen, tiefblaue Bergseen und ein lebendiges Kulturerbe.

Eines der bekanntesten Wahrzeichen des Alpsteins ist der Seealpsee, ein glasklares Gewässer inmitten steiler Wände, zu Fuss erreichbar und doch fern vom Trubel. Nicht minder pittoresk sind die Bergseen Fählensee und Sämtisersee. Über allem thront der Säntis mit einem Fernblick bis zum Bodensee, Schwarzwald und an klaren Tagen bis zum Mont Blanc.

Am bequemsten reist du per Bahn nach Wasserauen, dem Tor zum Alpstein. Von hier führen Wanderwege zu den Seen und Höhen – oder die nostalgische Seilbahn Ebenalp zum weltbekannten Felsrestaurant Aescher und dem Wildkirchli. Wer mit dem Auto kommt, findet in Wasserauen (für Ebenalp und Seealpsee), Brülisau (Hohen Kasten) und Schwägalp (Säntis) gute Ausgangspunkte für Wanderungen bzw. Seilbahnfahrten. Drei tolle Routenvorschläge fürs Appenzellerland findest du übrigens hier.

Ähnliche Artikel